Unser Frühlings-Projekt ist am 26.04.2016 gestartet. Ganz gespannt sind wir nach Ilbesheim/Pfalz gefahren, um uns in der Vinothek Deutsches Weintor e.G. ein Barriquefass zu besorgen. Doch worum geht es …?

Für unsere zahlreichen Whisky Flaschen und zunehmenden Rum Sortiment wollen wir ein stilechtes Regal bauen, was sonst nicht jeder hat.  :o)

Zurück zur Vinothek: Wir hatten Glück, nach freundlicher Unterhaltung mit der Dame am Ausschank, in die riesige Lagerhalle geführt zu werden. Dort wurden wir auch fündig und manövrierten das “Fässchen” (225 Liter) Richtung Auto. Mit der Hilfe eines Malermeisters verhalfen wir dem Barriquefass ins Auto, was dort gut Platz gefunden hat.

Fass im Kofferraum des Autos

Fass gut verpackt im Golf V

Knapp 60 min später stand das Fass mit Rene’s Hilfe in unserem Keller und es konnte mit den Umbaubauarbeiten losgehen.
Im weiteren Verlauf werde ich auf die einzelnen Arbeitsschritte eingehen, da vielleicht einer von den Leserinnen oder Lesern dieses Blogs mit dem Gedanken spielt, ein ähnliches Projekt anzugehen. Vorab sei gesagt: Tut es … das Resultat wird Euch stolz machen.

 

 

 

Da ich bislang noch keine Erfahrung darin habe und mir im Laufe der Arbeiten neue Erkenntnisse gekommen sind, wie ich es beim 2. Mal hätte anders gemacht, kommen zunächst die Lessons Learned:

  1. Wenn ihr ein Fass mit Türchen haben wollt, muss das Fass komplett auseinandergebaut und die Gauben lange getrocknet werden. Durch das Trocknen wird dem Holz Wasser entzogen, die Gauben ziehen sich zusammen und bleiben nach dem Zusammenbau in diesem Zustand.
  2. Nicht mit Abschleifen und Ölen/Lasieren anfangen. Das Fass wird eh beim Sägen und Flexen der Ringe wieder dreckig.
  3. Fangt mit dem Aussägen der Tür an und vorher natürlich die Fassringe durch Schrauben sichern.
Wie sind wir im Detail vorgegangen?

1. Fass außen mit 160er Schleifpapier angeschliffen und feucht abgewischt. Natürlich 24h trockenen lassen.

2. Fassringe mit Malerband abgeklebt.

3. Fass außen mit farblosem Leinöl dünn eingestrichen.
INFO: das Leinöl ist weiß…lasst euch davon nicht irritieren. Dort wo das Öl schnell eingezogen war, nachstreichen. Nach ca. 15min mit trockenem Baumwolllappen abwischen. Fass braucht minimum 24h zum Trocknen.
Hinweis: die ölgetränkten Lappen luftdicht in einer Tüte verpacken. Sie sind leicht entflammbar.

Fass geleimt

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Fass nach dem Ölen

4. Fassringe provisorisch an den Gauben mit Schrauben dort fixieren, wo das Fass durchtrennt werden soll. Somit springen die Fassringe nicht auf, wenn sie durchtrennt werden.

5. Anzeichnen der Schnittkanten: da ich (ursprünglich) eine Öffnung mit 2 Flügeltüren haben möchte, verläuft logischer Weise die mittlere Schnittkante mitten durch das Fassloch. Die Nieten an den darüber und darunter liegenden Ringen waren symmetrisch zum Loch angeordnet, so dass ich jeweils die Mitte zwischen den Nieten als Schnittkante annehmen konnte. Aber ich habe auch ein Lot gefällt von der Mitte des oberen Rings zum unteren und habe dazwischen einen Gummifaden gespannt.  Zollstock daneben angelegt und mit einem kleinen Schraubendreher die Schnittkante angezeichnet. Oben am Fassdeckel habe ich links und rechts von der Mitte aus 27.7cm im Bogen abgemessen und wie eben beschrieben auch die Schnittkanten angerissen.

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Fassringe fixiert, zwischendrin geflext

6. FLEX it baby: Fass nach draußen buxiert, vorher Winkelschleifer organisiert und dann gings los mit Aufflexen der Ringe. UNBEDINGT Schutzbrille und ggfs. Gehörschutz tragen!!!

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Flex Flex Flex

7. Mit der Stichsäge die Gauben aufsägen. Dazu braucht ihr einen 3er Holzbohrer, um in den Ecken vorzubohren damit das Sägeblatt reinpasst. Angefangen habe ich allerdings vom Fassloch nach oben bis zum zweiten Ring.

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Mit der Sichsäge entlang des Anriss’

Dann bohren, dann nach rechts am zweiten Fassring entlang. Ist Millimeterarbeit … versucht die Maschine zu bändigen, nicht umgekehrt.
TIPP: mit der Stichsäge müsst ihr über die Nieten, die durch die Vibration schnell zerkratzen. Legt einen Lappen zwischen Nieten und Maschine.

Das offene Fass und seine Türen

8. Nachdem die beiden (bestenfalls) gleichgroßen Stücke, die malTüren werden sollten, ausgesägt sind, kommt euch je nach Fass ein kräftiger Rotweinduft oder sogar Whisky Geruch entgegen. Herrlich!

9. Die Innenseiten müssen nun abgeschliffen werden.  Dazu empfehle ich eine Atemschutzmaske zu tragen und je nach Verschmutzung / Rußgehalt sehr grobes Sandpapier, eine Drahtbürste oder einen “Messing-Igel” für die Bohrmaschine. Wir haben den Messing-Igel verwendet, was schnell und problemlos ging. Lag aber auch daran, dass die Innenseite nicht so verkohlt war, wie in einem Whiskyfass. Abschließend mit Sandpapier (80’er) immer schön der Maserung entlang nachgearbeitet.

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Helferlein mit Messing-Igel 🙂

10. “Wo gehobelt wird, fallen Späne”. Daher mussten wir zunächst das Fass aussaugen (an der Tanke gegenüber) und Dank eines freundlichen Nachbars mit seinem Gartenschlauch ausspritzen.

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Wasser marsch: Der Rotwein Duft wird aktiviert!

11. Den Zwischenboden aus Glas möchte ich ungefähr in der Mitte des Fasses installieren. An der Position beträgt der größte Innendurchmesser bei einem 225l Fass ca. 65cm. An der Vorderseite soll der Zwischenboden mit einer geraden Kante abschließen. Damit das alles passt und ich mir auch das Resultat ungefähr vorstellen kann, habe ich eine Schablone angefertigt und provisorisch reingesetzt.

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Schablone für den Zwischenboden

Es ist ein bissl Fummelei und beim Ausmessen und/oder Berechnen der Zwischenboden-Maße sollte man berücksichtigen, dass das Holz im Laufe der Zeit noch “arbeitet”. Es trocknet aus, zieht sich zusammen und so kann es vorkommen, dass der Zwischenboden aus Glas ziemlich “klemmig” eingepasst wird (so bei mir geschehen).

Der Zwischenboden ist eine Maßanfertigung von www.glas-karlsruhe.de. Ich habe eine Skizze angefertigt und damit einen Kostenvoranschlag eingeholt. Alles weitere verlief problemlos und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Da ich keine halben Sachen machen wollte, spendierte ich dem Fässchen auch einen runden Glasboden und Glasdeckel. Damit sieht es einfach wertiger aus.

12. Während die Glasböden angefertigt wurden, kümmerte ich mich um den “Innenausbau”. Als WOW-Effekt wollte ich unbedingt indirektes Licht in verschiedenen Farben und Wechsel-Modi haben. Ich habe einge Zeit nach dem  passenden Artikel gesucht und wurde letzten Endes im schwedischen Einrichtungshaus fündig (DIODER Multibeleuchtung).
Also … Leuchten besorgt, Fass auf den Kopf gestellt und los geht’s mit dem Lichteinbau. Was war zu beachten:

  • den Schalter möglichst leicht zugänglich, aber versteckt IM Fass positionieren
  • das Stromkabel habe ich in die Spalte zwischen zwei Gauben gesteckt und zum Fassboden verlegt; ein kleines Loch gebohrt und nach außen durchgeschoben. Sieht aus als hätte das Fass ein Stummelschwänzchen! 🙂

Installierte Lichtanlage – Innenseite des Deckel (Fass steht auf dem Kopf)

13. Wie auf dem obigen Bild zu sehen, ist auch bereits der Zwischenboden eingesetzt. Damit dieser genügend Halt hat, habe ich drei Metallwinkel in braun montiert, auf denen das Glas draufliegt. Zwischen Glas und Metall befindet sich ein dünnes Korkblättchen; alternativ dazu kann man auch Filz für Stuhlbeine verwenden.

Und so sieht die Fass-Innenbeleuchtung in Aktion aus…

Lichtshow im Fass

14. Stichwort “Mobilität”:
So ein 225l Fass ist, auch wenn ein Teil der Gauben fehlt, recht schwer. Wenn es dann erstmal mit wertvollen Flaschen gefüllt ist, kommt einiges an Gewicht noch hinzu. Ich wollte mir Zeit nehmen, um den perfekten Platz für das Fass zu finden. Daher sollte es leicht verschiebbar sein.
Meine Idee und Vorschlag an Euch:

  • größtmögliche rechteckige oder runde Fläche des Fassbodens ausmessen
  • im Baumarkt eine MDF Platte entsprechend zurechtschneiden lassen
  • 4 Transportrollen mittlerer Größe inkl. Bremsen an die Platte montieren und das Fass draufstellen … et voilà.

Und so sieht das Schätzchen nun gefüllt aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlußwort

Franzi und mir hat es sehr viel Spaß und Freude bereitet, gemeinsam am Fass zu basteln. Wir finden, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Meinen ursprünglichen Plan, die beiden herausgesägten Gaubenhälften als “Türchen” zu verbauen, musst eich leider wiederrufen. Wie eingangs schon erwähnt, das Fass “arbeitet” und daher war es mir nicht möglich, die Gaubenhälften mit Scharnieren zu versehen und als Tür einzubauen. Doch letzten Endes hätte es nichts bewirkt, denn wer will so einen Anblick schon hinter Türen verbergen?!

In diesem Sinne .. frohes Werkeln und bei Fragen, Hinweisen oder Anmerkungen einfach einen Kommentar schreiben. Ich melde mich dann. 🙂

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